Jenseits von ChaRM: Die Zukunft des SAP-Change. Erfahren Sie, wie wir Ihnen helfen können!

Auf der SAP Sapphire 2026 in Orlando betrat CEO Christian Klein die Bühne und stellte eine umfassende Neuausrichtung der SAP-Produktvision vor. Die neue Vision heißt „Autonomous Enterprise“: ein KI-gesteuertes ERP-Ökosystem, in dem intelligente Agents komplexe Geschäftsprozesse automatisch koordinieren und ausführen, während Menschen zunehmend überwachen, statt jeden einzelnen Schritt manuell zu steuern.

Für Unternehmen, die SAP nutzen, ist diese Ankündigung ein klares Signal: Der Umfang und die Komplexität des Change Managements nehmen deutlich zu.

Über diese Serie: Navigating the Autonomous Enterprise

Dieser Artikel ist Teil 1 einer vierteiligen Serie, in der wir die wichtigsten Bestandteile des Autonomous Enterprise einordnen und beleuchten, was diese Entwicklung für heutige SAP Change Management-Teams bedeutet.

  • Teil 1: SAP Autonomous Enterprise: Wichtige Erkenntnisse für das Change Management von der SAP Sapphire 2026
  • Teil 2 (demnächst): Die SAP Business AI Platform erweitert den Umfang von Change Management und Governance in SAP
  • Teil 3 (demnächst): Erfolg in der Cloud beginnt am Boden
  • Teil 4 (demnächst): Vorbereitung auf die SAP Business AI Platform

Die 3 Säulen des Autonomous Enterprise

Um die Rolle des Change Managements zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Architektur werfen, die Klein unter dem Begriff Autonomous Enterprise vorgestellt hat.

  1. SAP Business AI Platform: SAP bündelt BTP, Business Data Cloud und Business AI in einer gemeinsamen Umgebung.
  2. SAP Autonomous Suite: Die digitale Belegschaft — zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gibt es 51 Joule Assistants, die 224 spezialisierte Agents in den Bereichen Finance, Supply Chain, Procurement, HCM und CX orchestrieren.
  3. Joule Work: Der neue Einstiegspunkt, über den Sie das gewünschte Ergebnis beschreiben. Joule steuert anschließend Daten, Workflows und Agents, um dieses Ergebnis zu erreichen.

Wir beobachten die KI-Entwicklung von SAP schon seit einiger Zeit sehr genau — insbesondere die unterstützende Infrastruktur im Hintergrund. Dabei liegt unser Fokus vor allem auf BTP als zentrale Grundlage für ABAP-Erweiterungen in der Public Cloud, die Integration Suite und die Umsetzung von Clean-Core-Konzepten.

Die Stabilität von Change

Was bedeutet das also knapp zwei Wochen später für Basis-Teams und SAP-Entwickler? Zunächst einmal: nichts. Noch nicht.

Die SAP Business AI Platform baut auf dem Core ERP auf. Die Rolle des Change Managements wird sich jedoch verändern und künftig ein deutlich größeres Set geschäftskritischer Core Assets umfassen. Das Core ERP verschwindet nicht. Es wird vielmehr zur Grundlage für zukünftige Innovation. Darauf werden agentenbasierte KI und das Autonomous Enterprise aufgebaut — auf Basis der technischen und prozessualen Ebenen, die heute bereits verwaltet werden.

Wie wirkt sich das auf Change Management-Teams aus?

Klassische SAP Changes richten sich künftig auch an Agents. Ein Transport, der eine Transaktion, ein BAPI oder ein Z-Programm verändert, landete bisher in der QA-Umgebung, wo Menschen ihn getestet und geprüft haben.

Künftig kann derselbe Transport jedoch einen Ausführungspfad eines Agents unterbrechen, verändern oder unbemerkt verschlechtern. Der Agent schlägt nicht zwangsläufig offensichtlich fehl. Er erledigt Aufgaben möglicherweise einfach falsch oder mit fehlerhaften Informationen.

Auch Agent-Definitionen sind Changes. Eine Prompt-Aktualisierung, eine Anpassung von Guardrails oder eine neu hinzugefügte Tool-Berechtigung in Joule Studio sind Konfigurationsänderungen — und aus Audit-Sicht relevant. SAP wird diese Änderungen innerhalb von Joule Studio versionieren. Es liegt jedoch an den Change Management-Teams, sie durch dieselben Freigabeprozesse zu steuern, die heute für SAP ABAP Changes gelten.

Kleine Änderungen können größere Auswirkungen haben. Ob Kostenstellenreorganisation, Restrukturierung von Stammdaten oder eine Änderung an einem Customizing-Knoten in S/4HANA: Backend-Updates sind nicht mehr automatisch als geringfügig einzustufen. Ein Customizing-Eintrag kann künftig das Verhalten eines Agents beeinflussen.

Customizing hatte schon immer Auswirkungen. Doch wie bei anderen Change-Arten kann der Wirkungsbereich künftig deutlich größer sein — und möglicherweise erst zur Laufzeit vollständig sichtbar werden.

Auch Agent-Identitäten und Berechtigungen sind Changes. Agents handeln mit Autorität. Aber mit wessen Autorität? Service Accounts waren schon immer eine Herausforderung für Segregation of Duties (SoD). Nun werden sie in deutlich größerem Umfang eingesetzt und erhalten zusätzlich autonome Entscheidungsrechte.

Jede Berechtigung, die einem Agent gewährt wird, ist eine SOX-relevante Änderung. Jede Entziehung einer Berechtigung ebenso.

Change ist im Autonomous Enterprise unvermeidbar

Das Autonomous Enterprise ist eine wirklich spannende Entwicklung. Der Wandel in der User Experience — von „eine Person führt eine Aufgabe aus“ hin zu „eine Person überwacht autonome Ausführung“ — ist wohl das Bedeutendste, was SAP seit Fiori veröffentlicht hat, vielleicht sogar seit der Business Suite.

Es verändert die Rolle der SAP-Anwender. Es verändert die Rolle der Basis-Teams. Es verändert die Rolle der Auditoren. Und es verändert ganz sicher die Rolle des Change Managements.

Was sich nicht ändert, ist eine Regel, die in SAP seit 30 Jahren gilt: Ein System ist nur so zuverlässig wie die Disziplin, mit der Changes daran gesteuert werden.

Agents übernehmen diese Disziplin. Oder sie übernehmen deren Fehlen. Die Werkzeuge, die diese Disziplin heute durchsetzen, verschwinden nicht — sie werden wichtiger.

Klein sagte es selbst auf der Bühne: „Der Weg zum Autonomous Enterprise erfordert ernsthaftes Change Management. Die Einführung von KI geht Hand in Hand mit Geschäftsprozessänderungen und Enablement der Endanwender.“

Die Rolle des Change Managements ist damit deutlich technischer, strategischer und noch wichtiger geworden.

Nächste Woche betrachten wir in Teil 2 unsere Einschätzung zu Governance und Compliance in einer agentenbasierten ERP-Umgebung und beleuchten die neuen Anforderungen, die auf Change-Teams zukommen.

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